Über uns

Geschichte des Obst- und Gartenbauvereins Gräfenhausen/Obernhausen 

Viele Leute aus Gräfenhausen und Obernhausen besaßen wenig Land und hatten oft einen mühsamen Weg zur Arbeitsstelle. Also waren sie darauf angewiesen, aus ihren Grundstücken möglichst viel für die eigene Familie und zum Verkauf herauszuholen. Einige Männer aus Gräfenhausen und Obernhausen gingen ab 1919/20 regelmäßig zu den meist vom Bezirksbaumwart Scheerer geleiteten Veranstaltungen in Neuenbürg. Sie wurden zunächst als Mitglieder des dortigen Bezirks-Obst- und Gartenbauvereins geführt. Offenbar war den ersten Mitgliedern die Weiterbildung wichtiger als die offizielle Gründung eines eigenen Vereins. Die erste Zeit wurde 1933 vom ersten Schriftführer auf zwei Seiten zusammengefasst. Aus dem ersten Kassenbuch geht hervor, dass 1927 der Jahresbeitrag der 34 Hiesigen je 75 Pfennig betrug. Bei der Gründungsversammlung 1928 wurden der Vorstand und zwei Beisitzer gewählt, dazu kam dann 1931 ein Kassier und 1932 ein Schriftführer. Wilhelm Buchter war 52 Jahre alt, als er Vorstand wurde. Dieser angesehene Mitbürger lenkte rund 25 Jahre lang die Geschicke des Vereins. Er wurde anschließend zum Ehrenvorsitzenden ernannt und mit einem Geschenkkorb der Dank des Vereins zum Ausdruck gebracht. Als er am 20. November 1971 zu Grabe getragen wurde, folgten viele Obst- und Gartenbaufreunde seinem Sarg. Auf dem Friedhof wurden seine treuen Dienste für den Verein gewürdigt. In der ersten Zeit befasste sich der Verein fast nur mit dem Obstbau. Von Schnittunterweisungen, Vorträgen, Rundgängen und gemeinsamer Beschaffung von Obstbaubedarf wird berichtet. Der erste Ausflug führte 1931 zur Landes-Obstbauausstellung nach Stuttgart. Noch im selben Jahr wurde eine örtliche Obstausstellung veranstaltet. Obstbaurat Hiller (hat hier keine Verwandten) bestimmte die Sorten, leitete einen Rundgang und hielt einen Vortrag. Trotz des geringen Jahresbeitrags (1933 = 1 RM, 1956 = 2 DM, 1971=3 DM, 1990 =5 DM, jetzt 10 DM) konnte der Verein seine Tätigkeit ausweiten. Seine Fachvorträge und praktischen Unterweisungen waren öffentlich und kosteten keinen Eintritt. Man bemühte sich nach Beratung durch Fachleute, die Bäume richtig zu schneiden, besser zu düngen und Schädlinge zu bekämpfen. Dass dabei Gifte, vor allem im Hausgarten, nicht das Ideale sind, wurde früh erkannt. Da die Rodung von Baumruinen den Meisen die Nisthöhlen nahm, bestellte der Verein vor 60 Jahren schon 50 Nistkästen. Zur Düngung wurde damals empfohlen: Weniger Jauche, dafür zusätzlich Kali und Phosphor. Als Spritzmittel wurden erwähnt: Bleiarsen (abgelehnt!), Obstbaumkarbolineum und »Theobaldsche Losung« (Kalk, Kali, Wasserglas). In einem Vortrag bezeichnete Bezirksbaumwart Scheerer als »Sorten der Zukunft«: Goldparmäne, Ontario, Gewürzluike; Alexander Lucas und Gräfin von Paris.

 

Nach 1933 arbeitete der Verein im bisherigen Sinn weiter, auch wenn das Bemühen um mehr und bessere Erträge plötzlich »Erzeugungsschlacht« hieß. 1938 mussten einige Veranstaltungen abgesagt werden, damit die Maul- und Klauenseuche nicht verbreitet wurde. Vom Ausflug zur Reichsgartenschau auf dem Stuttgarter Killesberg (1939) waren die Teilnehmer begeistert. Der 2. Weltkrieg (1939 —- 1945) lähmte die Vereinstätigkeit. Zwei Beschlüsse sind erwähnenswert: Soldaten sind beitragsfrei. Zur Pflege der Obstbäume werden Kolonnen gebildet. 1945 verbot die französische Militärregierung zunächst alle Vereine. 1948 wurde der Verein wieder gegründet. Da fast alles von den Mitgliedern kostenlos erledigt wurde, sind im Kassenbuch für 1949 nur folgende Ausgaben verzeichnet: 1 Protokoll ins Französische übersetzt 7 DM, Ersatzfilter für die vereinseigene Baumspritze 1 DM, 1 Fachzeitschrift 84 Pfennig, zusammen also 8,84 DM. Ein Gewinn für den Verein war es, dass der sachkundige und rührige Baumwart Friedrich Hiller aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte. Er wurde 1952 zum Vorstand gewählt und half überall mit Rat und Tat. 1955 beantragte er bei der Gemeinde die pachtweise Überlassung eines gemeindeeigenen Grundstückes in der Hegenach. Dort sollte der vorhandene Baumbestand ausgelichtet, gedüngt und vorbildlich gepflegt werden. Bürgermeister Lorenz empfahl stattdessen eine Neuanlage. 1956 kam ein neuer Vorschlag: Erst vom Pachtgrundstück Geld in die Kasse, dann bei Gelegenheit Neuanlage. 1957 wurden unter Führung von Kreisbaumwart Beyle Obstanlagen in Erligheim, Kirchheim am Neckar und Lehrensteinsfeld besichtigt. 1958 erläuterte Bürgermeister Lorenz den neuen General-Obstbauplan für Baden-Württemberg. Er sah vor, den Obstbau in geschlossene Anlagen zu verlegen und dadurch die fachmännische Pflege und das Ernten zu erleichtern. Später sollten die auf der ganzen Markung verstreuten Obstbäume gerodet werden, damit auf den Äckern ein höherer Ertrag bequemer erzielt werden konnte. Das Land gab beträchtliche Zuschüsse. Zu diesem Zweck wurde eine Anbau- und Pflegegenossenschaft für Obst gegründet und der Obstbaumeister Eberhard Schuster angestellt. Die ersten 6 ha der Anlage brachten schon 1961 einen schönen Ertrag. Später wurde sie auf 23 ha erweitert und eine große Sortier- und Lagerhalle gebaut. Da sich die Kundenwünsche inzwischen geändert haben, wurde ein großer Teil gerodet. Nach und nach erhielt der Gartenbau immer mehr Bedeutung in der Vereinsarbeit. Die Schnittunterweisung 1967 befasste sich auch mit Ziersträuchern. 1969 zeigte Herr Beyle einen Dia-Vortrag über Blumen im Garten und im Haus. Mit dem Jubiläum zum 50jährigen Bestehen des Vereins war eine Rosenschau verbunden. Auch Gemüseanbau und Kompostbereitung waren in den Vorträgen vertreten. Zwischen 1972 und 1985 fanden 9 Blumenschmuckwettbewerbe statt. Die Verteilung der Preise fand im Rahmen eines Dorfabends statt. Erstmals 1979 traten dabei die »singenden Hobbygärtner« auf. Sie besangen unter der Leitung von Rektor Mayer mit von ihm verfassten Texten nach bekannten Melodien Ereignisse aus dem Dorf- und Vereinsleben und anderes. 1976 fand der erste Steckkurs statt. Unter Anleitung von Frau Schaumayer wurden Gestecke für Totensonntag und Advent gefertigt. Den ersten Vortrag über biologischen Gartenbau hielt Herr Wieler 1978 in der »Traube«. Vieles von dem, was er damals empfohlen hat, wird heute in zahlreichen Gärten angewandt. Dass sich der biologische Gartenbau nicht noch mehr durchgesetzt hat, liegt wohl an den 110- bis 150%igen Vorkämpfern, die übertriebene Behauptungen aufstellen, z.B.: »Chemie ist Gift — Natur ist gesund« (Knollenblätterpilz? Tollkirsche?...). »Hornissen sind für gesunde Erwachsene völlig ungefährlich« (Allergiker? Kleinkinder?). »Elstern darf man nicht töten.« (Sie sind Nesträuber. Zum Glück gibt's hier Turmfalken). Unsere Ausflüge waren so geplant, dass sie Fachliches und anderes Interessante boten und auch für ältere Mitglieder zu bewältigen waren. Nur 1979 machten wir einen zweitägigen Ausflug zur Bundesgartenschau nach Bonn. Unser Verein organisierte 1982 die Entnahme von Bodenproben und ihre Untersuchung in Augustenburg. Die Ergebnisse wurden schriftlich vorgelegt und durch Herrn Kammerer erläutert. Als 1983 die Sixthalle eingeweiht wurde, übernahm unser Verein die Ausschmückung. Bei der Landesgartenschau in Pforzheim (1992) stellte auch unser Verein Mitglieder, um den Muster-Familiengarten unseres Kreisvereins zu betreuen und ihn den Besuchern zu erklären. Im gleichen Jahr führten wir gemeinsam mit der Gemeinde Birkenfeld und den dortigen Vereinsfreunden eine Komposteraktion durch. 701 Komposter wurden verkauft. Sie hätten je 125 DM gekostet, davon übernahm die Gemeinde 50 DM, die beiden Vereine je Mitglied zusätzlich 25 DM. Unser Verein pflegt auch zwei kleine Anlagen. Die eine liegt an der Hindenburgstraße. Die andere liegt auf dem Berg, wo früher das Weinberghäusle stand. Weil man von dort einen herrlichen Blick auf Gräfenhausen hat, pflanzte unser Ehrenvorstand Friedrich Hiller eine Linde, die inzwischen nach ihm benannt wurde. Zwei Ruhebänke laden zum Verweilen ein. 

Otto Kozel

Für den Verein wirkten bisher:

Als Vorstand:

Wilhelm Buchter (bis 1953)
Friedrich Hiller (1953 - 1957)
Erwin Wolfinger (1957 - 1968) 
Oswald Rupp (1968 - 1970) 
Eberhard Schuster (1970 - 1977) 
Herbert Guigas (1977 - 1995) 
Wolfgang Pross (1996 - 2009)
Manfred Ahr (2010 - 2024)
Heiko Keller (ab 2024)

Als Schriftführer:

Hugo Vogt (bis 1935)
Gottlob Künzler (1935 - 1948)
Hermann Förschler (1948 - 1954)
Friedrich Künzler (1954 - 1959)
Siegfried Stumpp (1959 - 1967)
Oswald Rupp (1967 - 1968)
Walter Kuhn (1968 -1974)
Herbert Guigas (1974 - 1975)
Otto Kozel (1975 - 1996)
Walter Kuhn (1997 -1998)
Emil Wolfinger (1998 - 2010)
Jürgen Becht (2010 - 2022)
Doreen Keller (seit 2022)

Als Kassier:

Fritz Füeß (bis 1958)
Ernst Waidner (1958 - 1973)
Herbert Guigas (1973 - 1977)
Eberhard Schuster (1977 - 1982)
Erich Oelschläger (1982 - 2009)
Matthias Herrmann (2010 - 2012)
Heiko Keller (2013 - 2024)
Mario Roser (ab 2024)